Projekt Virtuelle Pfeifenorgeln 

 

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Die virtuelle Orgel von PERUC und ihr Spieltisch

Peruc ist ein kleines Dorf, etwa 40 km entfernt von Prag (der Hauptstadt der Tschechischen Republik). Dort steht eine barocke Kirche von 1763/65. Die Orgel dort wurde im Jahre 1766 von Johann Ignaz Schmidt (1727-1802) gebaut, , einem renommierten Orgelbauer der Loket Schule. Dieses Werk ist eines seiner frühesten erhaltenen Instrumente; es hat zwei Manuale, Pedal und insgesamt 12 klingende Stimmen.

 

Disposition und Zustand des gegenwärtigen Instrumentes:

Manual I Manual II(Rückpositiv) Pedal
Kryt 8 (Gedackt, Copula/Koppel) Kryt 8 (Gedackt, Copula/Koppel) Subbas 16
Principal 8 Fugara 4 Violon 8
Salicional 8 Principal 2  
Oktava 4 (Prospekt)    
Fletna 4 (Flauta/Flöte 4)    
Oktava 2    
Mixtura 3x (1 1/3)    

Die hölzernen Pfeifen des Kryt/Gedackt 8 und einige der Fletna/Flöte 4 in der untersten Oktave sind erheblich vom Holzwurm befallen. Hier ist eine Restaurierung dringendst notwendig! Noch immer besticht der heftig von der Zinnpest angegriffene Principal im Prospekt durch sein "süßes" Timbre. Insgesamt gehört die Orgel in ihrer Klangschönheit zu den interessantesten der gesamten Region; sie wird gelegentlich für kommerzielle Aufnahmen herangezogen. Dennoch ist eine vollständige Überholung längst überfällig; deren Kosten schätzt man auf etwa 50.000Euro. Sponsoren sind daher willkommen. Für die Datenbank wurde alle Register Ton für Ton aufgenommen. Der Sample-Satz der Peruc-Orgel spiegelt somit den authentischen Zustand des Instrumentes, ohne dass ein Ton von einem anderen modifizierten, elektronisch ersetzt wurde.

Ich habe die Samples auf A=440 Hz und mehr oder weniger gleichschwebende Temperatur gestimmt, da die historische Stimmung verloren ging. Es macht kaum Sinn, eine historische Stimmung zu rekonstruieren, da wohl kaum eine Orgel zu finden sein dürfte, bei der diese noch erhalten ist. Fast alle, um nicht zu sagen absolut alle Instrumente unterzog man schwerwiegenden Eingriffen oder Umbauten; besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als man den "Idealklang" noch völlig anders empfand als heute. Glücklicherweise blieb die Orgel in Peruc weitgehend unberührt, fast alle Pfeifen stammen noch aus der Barockperiode. Die neuen Register Principal 8' und Violon 8' fügte die Firma Rejna-Cerny während der einzigen nennenswerten Veränderung 1901 hinzu. Dabei entnahm man die ursprüngliche Kvinta/Quinta 1 1/3' und verwendete sie als unterste Reihe der gegenwärtigen Mixtur; diese reichte ursprünglich höher hinauf und begann beim 1'. Damit setzte nun die barocke Mixtur um eine Reihe tiefer ein, gehört jedoch zum barocken Bestand. Auch das Salicional 8' ist noch von 1766. Da die man die Pfeifen der untersten Oktave durch neue Zinkpfeifen ersetzte, führte das bei einigen Forschern zur Annahme, der orginale Salicional hätte 4'-Lage gehabt. Ich glaube, die Lösung ist einfacher: Die größten Metallpfeifen wurden für Kriegszwecke konfisziert und durch Zinkpfeifen ersetzt. Glücklicherweise blieb der Principal 4' im Prospekt durch solche Maßnahmen verschont - verständlich, denn seine Pfeifen lieferten einfach nicht genug Material für Waffen. Der alte Spieltisch musste ebenfalls einer neuen Konstruktion weichen, während die kurze Oktave erhalten blieb. Das Pedal weist mit dem Umfang von C1-A2 ebenfalls eine kurze Oktave auf.

Es lässt sich leicht heraushören, dass ich die neue Mixtur und die Kvinta 1 1/3 "künstlich" von der erhaltenen Octave 2 (!) abgeleitet habe; damit setzt sich die jetzige Mixtur aus mehreren Teiltönen zusammen. Das ist ein Experiment, um festzustellen, wie das Instrument vor 1901 erklungen haben mag.

Orginale Disposition:

I. man. II. man (Rückpositiv) Pedal
Kryt 8 (Gedackt, Copula/Koppel) Kryt 8 (Gedackt, Copula/Koppel) Subbas 16
Salicional 8 Fugara 4 OktavBas 8
Principal 4 (Prospekt) Principal 2  
Fletna 4 (Flauta/Flöte 4)    
Oktava 2    
Kvinta/Quinte 1 1/3    
Mixtura 3x (1')    

Kompletter Sample-Satz der Peruc-Orgel
Aus dem Pfefenmaterial habe ich noch ein drtittes Instrument abgeleitet; es hat hat 19 klingende Stimmen, eine chromatisch erweiterte kurze Oktave und viereinhalb Oktaven Tastenumfang(s. Screenshots).

 

Weitere Literatur:
Tomas Horak: Varhany a varhanari Lounska, Zatecka a Podboranska, Albis International, 2003, pp.92-93.