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Freiberg Silbermann Organ Model (1735)
Wir möchten die Gelegenheit ergreifen, einige Details aus der Geschichte dieses Instrumentes zu erwähnen. Silbermanns verdankte seinen guten Ruf der von ihm erbauten Freiberger Domorgel. Danach erhielt er zunehmend neue Aufträge, und seine Werke wurden hoch geschätzt und gut bezahlt. Silbermann wurde Bürger der Stadt Freiberg, und es ist nicht verwunderlich, daß der Stadtrat wegen eines Orgelneubaus für die wiederaufgebaute Petrikirche Kontakt aufnahm. Silbermann selbst rechnete mit einem solchen Auftrag, wie wir aus dem Tagebuch seines Neffen Johann Andreas entnehmen können. Nach seinen Aufzeichnungen waren durch den Freiberger Stadtbrand drei neue Orgeln, die Silbermann in einem Haus gelagert hatte, gefährdet. Während der Feuersbrunst soll er das Haus knieend und zu Gott betend beobachtet haben. Er soll auch ein Gelübde abgelegt haben, umsonst eine neue Orgel für die Petrikirche zu bauen, sollte das Haus mit den darin gelagerten Orgeln vom Feuer verschont bleiben. Auf jeden Fall wurde der Orgelbauvertrag am 3. August 1734 unterschrieben; darin wurde als Zeitpunkt für die Fertigstellung der Orgel Juli 1736 vereinbart. Der Original-Vertrag ist verschollen, es gibt aber eine Kopie von 1737. Der Preis für die neue Orgel belief sich auf 3.250 Reichstaler, zahlbar in sechs Raten. Für den Fall, daß Silbermann vor Vertragserfüllung sterben sollte, wurde sein Kousin Johann Georg als dessen Rechtsnachfolger bestimmt. Die ursprüngliche Disposition umfaßte 31 Register, aber Silbermann stiftete als Reverenz gegenüber der Stadt Freiberg ein weiteres Register. Sibermanns Zulieferer - allesamt lokale Handwerker - wurden namentlich im Orgelbauvertrag erwähnt. Interssanterweise arbeitete Silbermann zu dieserZeit an der Orgel für die Dresdener Frauenkirche, die im November 1735 ausgelierfert werden sollte. Angesichts der Tatsache, daß Silbermann Verzögerungen der Bauarbeiten an der Frauenkirche abwarten mußte, war er in der Lage, seine Orgel für Freiberg neun Monate früher als geplant zu vollenden. Da zeitweisen an beiden Orgeln (Dresden und Freiberg) gleichzeitig gearbeitet wurde, erhielten sie für das Hauptwerk die gleich Disposition sowie identische Windladen und Pfeifen. Das ermöglicht heute, sich heute das klangliche Profil der Dresdner Orgel vor ihrem späteren Umbau und ihrer Zerstörung im Jahre 1945 vorzustellen. Auch die schon im 18. Jahrhundert zerstörte Orgel in Zittau (1741) hatte im Hauptwerk die gleiche Disposition. Die Fassade des von Polycarp Butzäus errichteten Gehäuses war identisch mit dem Prospekt der ebenfalls zerstörten Orgel in der Dresdner Sophienkirche. Die Orgel der Freiberger Petrikirche wurde am 31. Oktober 1735 eingeweiht. Einige ihrer interessantesten Eigenschaften waren verhälnismäßig viele 16´-Register, die eher französisch orintierte Vox humana 8´, eine Pedalkoppel als Windkoppel und eine konservative modifizierte mitteltönige Temperierung im "Chorton" (a1= 463 Hz) statt im damaligen "Kammerton" (a1= 412 Hz). Die weitere Geschichte der OrgelEinige Silbermann-Orgeln blieben unverändert und frei von Eingriffen erhalten. Das beinhaltete im günstigsten Fall eine allgemeine Instandhaltung, den Austausch verschlissener Teile oder die Veränderung der Temperierung. Etwas schwerer wogen Eingriffe in die Disposition oder das gesamte klangliche Profil einer Orgel. So blieb auch die Orgel der Freiberger Petrikirche nicht vor Veränderungen bewahrt. 1768 und 1792 wurden generelle Instandsetzungsmaßnahmen durchgeführt. 1855 wurde eine gleichschwebende Temperierung gelegt. Die Orgelbaufirma Jehmlich führte im Jahr 1895 einige Arbeiten aus, die in die Substanz des Instrumentes eingriffen:
1917 wurden die Prospekpfeifen der Orgel zu Rüstungszwecken abgeliefert. 1935 wurde ein starker Holzwurmbefall festgestellt, und die am schlimmsten zerfressenen Teile wurden duch die Firma Jehmlich ersetzt. 1940 wurde eine neue Balganlage installiert, die einen differenzierten Winddruck produzieren konnte: 90 mm Wassersäule für Hauptwerk und Pedal, 80 mm Wassersäule für die anderen Werke. Das hinzugefügte Hinterwerk wurde "barock" umdisponiert (Dulzflöte 8´ statt Aeoline 8´, Gedackt 8´ statt Dolce 8´, Praestant 4´ statt Violine 8´, Superoctav 2´ statt Salicet 4´ und zusätzlich Scharff 2fach). 1952 wurden Maßnahmen durchgeführt, mit der eine Verbesserung der Windzuführung zu den Pfeifen erreocht werden sollte; gleichzeitig wurde der Windruck auf 75 mm Wassersäule reduziert. Zu dieser Zeit entstanden überall neo-barocke Orgelneubauten. 1961 wurden das Hinterwerk entfernt und eine ungleichstufige Temperierung gelegt. Horst Jehmlich unternahm eine gründliche Durchsicht und entwarf 1975 einen Rahmenplan zur Restaurierung der Orgel nach streng denkmalpflegerischen Kriterien. Finanzielle Engpässe ermöglichten bis 1993 aber nur vereinzelte Maßnahmen, so die Restaurierung der Mechanik, die Entfernung des Tones Cis (aber ohne Rückführung der originalen Temperierung), Entfernung des Subbaß 16´ von 1896, Rückführung der Pedal-Trompete 8´ auf ihren ursprünglichen Platz, Rekonstruktion der Manual-Schiebekoppel, Restaurierung des Spielschrankes samt der Registerzüge. Seit 2004 liefen Planungen für eine Restaurierung der gesamten Orgel gemäß deren Zustand von 1735. Nachdem die Finanzierung dieses Projektes gesichert worden war, führten die Firmen Wegscheider und Jehmlich die Restaurierung der Orgel von Oktober 2006 bis zum 15. Juli 2007 - dem Tag der Wiedereinweihung - durch. Die wichtigsten Eckdaten der Restaurierung:
Damit erklingt die Silbermann-Orgel heute wieder in der Petrikirche in ihrer ursprünglichen Schönheit. Die Geschichte der Petrikirche in Freiberg und ihrer musikalischen BedeutungDie Ursprünge der Petrikirche liegen im zwölften Jahrhundert. Sie wurde als dreischiffige romanische Basilika auf der höchsten Erhebung der Stadt, einer ehemaligen Richtstätte, erbaut. Sie wurde nach und nach (1225, 1375, 1386, 1471, 1484) im gotischen Stil erneuert, z. T. verursacht durch verschiedene Feuersbrünste. In ihrer Umgebung lag das Stadtviertel der Kaufleute und ihrer aufblühenden Handelshäuser, so daß es kein Problem war, Mittel für die häufig notwendige Wiederherstellung der Kirche bereitzustellen. Der große Stadtbrand von 1728 verschonte von der Petrikirche nur die Außenwände und den Südturm. Im Rahmen ihres Wiederaufbaues im Barockstil dann eine neue Silbermann-Orgel bestellt. vollendet. Theodor Quentin veränderte 1895 bis 1896 nachhaltig die Innenearchitektur der Kirche, indem er die Emporen beseitigte und die Seitenapsiden in Richtung Kirchenschiff erweiterte, wodurch diese teilweise schmäler wurde. Die letzten Eingriffe geschahen 1974 bis 1983. Neu eingezogene Wände ermöglichten die Nutzung der Seitenemporen und der dahinter liegenden Räumlichkeiten für verschiedene Zwecke der Kirchengemeinde. Die Hauptapsis wurde durch eine Glaswand abgetrennt. Die von Friedrich Presse geschaffenen Skulpturen runden den weiten, weißen Innenraum ab. Allerdings beeinträchtigt die ästhetisch interessante Neugestaltung die Akkustik der Kirche. Der 72 Meter hohe Peters-Turm beherbergt sowohl die Kirchenglocken aus der Zeit von 1487 bis 1570 als auch zwei Zimmer für einen darin bis zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wohnenden Turm- oder Feuerwächter. Die Lutheraner besaßen die Kirche seit 1537, lange bevor sich die Reformation
über ganz Sachsen ausbreiten konnte. Es entwickelte sich ein blühendes
musikalisches Leben; es umfaßte die Begleitung der Liturgie wie auch
Figuralmusik (= Chormusik) und solistische Darbietungen. Die erste Orgel der
Kirche entstand in der zweiten Häfte des sechzehnten Jahrhunderts. Gottfried
Fitz baute diese Orgel zu einer dreimanualigen Orgel mit Pedal aus, das viele
Soloregister (z. B. Dulcianbass, Bauernflöte) enthielt. Nach Erweiterungen durch
Christoph Schreiber im Jahre 1629 wurde dieses Instrument die bedeutendste und
größte Orgel der Stadt, denn die benachbarte Domorgel aus dem fünfzehnten
Jahrhundert war damals in einem schlechte Zustand. Flöte blasende Engel
schmückten den Prospekt der Petriorgel. Der Dreißigjährige Krieg brachte eine
allgemeine Depression mit sich, so daß die Organistenstelle in dieser Zeit aus
finanziellen Gründen vakant blieb. Vorübergehend erhielt dieses Amt Andreas
Hammerschmidt, einem Sohn Tchechischer Emigranten, dessen Kompositionen zu den
am häufigsten aufgeführten Werken dieser Zeit zählten. Die letzte Überholung
dieser bedeutenden Orgel geschah im Jahr 1678; am 1. Mai 1728 wurde sie dann
durch den großen Stadtbrand vernichtet. Aber schon vorher verlagerte sich der
Schwerpunkt des musikalischen Geschehens in den Freiberger Dom, wo Silbermann im
Jahre 1714 eine hervorragende Orgel errichtet hatte. Er erhielt deshalb auch den
Auftrag für eine neue Orgel in der wiederaufgebauten Petrikirche. Sie galt als
die schönste und beste Orgel der Stadt, aber der damalige Zeitgeist und dessen
intellektuelle Ausrichtung war der Orgelmusik wenig dienlich. Im Spätbarock
erfuhr das solistische Orgelspiel einen langsamen, aber stetigen Niedergang. Das
Presbyterium der Petrigemeinde geriet unter den Einfluß des Pietismus (u. a.
durch Christian Friedrich Willisch), der von der Orgel nur noch die Begleitung
des Gemeindegesanges erwartete. Solistische Vorträge sowie Figural- und
Instrumentalmusik wurden auf ein Minimum reduziert. Das Amt des Organisten wurde
mehr schlecht als recht verwaltet und blieb nach dem Tod des letzten
Amtsinhabers ab 1761 verwaist. Eine Kurzbiographie Gottfried Silbermanns Literaturhinweise:
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